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Square Dance in Oldenburg: Lass den Tänzer gewinnen!

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„Thank youuuuu!“, schallt es durch den Saal. Der Song ist vorbei, die Tänzer kommen im Pulk zusammen, strecken einen Arm in die Mitte und bedanken sich für den Tanz.

Es ist schon ein ungewöhnlicher Anblick: Acht Menschen wirbeln zu Countrymusik über die Tanzfläche, in Petticoats und mit Westernschmuck um den Hals. Mitten im Winter, im Saal der Grundschule Ofenerdiek. „Man muss keinen besonderen Bezug zu Amerika haben, um hier mitzumachen“, versichern die Tänzer. Schließlich höre man beim Square Dance heute nicht nur Country-, sondern auch Popmusik. Oder in der Adventszeit sogar Weihnachtslieder.
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Schon seit 1989 gibt es die Hunte Valley Dancers Oldenburg. Im Moment hat der Club über 40 Mitglieder. Ein Square besteht jeweils aus acht Tänzern, die sich im Quadrat in Pärchen gegenüberstehen. Die Positionen sind genau benannt: Die „Head“-Tänzer schauen zum „Caller“, der beim Square Dance die Figuren ansagt. Die „Side“-Tänzer stehen dazwischen. Benachbarte Heads und Sides heißen zusammen "Corner".

Mehr zur Aufstellung im Square Dance

Die Bezeichnungen sind  überlebenswichtig. Nur so kann man wissen, an welcher Stelle und mit wem man in der nächsten Figur tanzt. Denn das ändert sich laufend, wie ich merke.
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Mein erster Square Dance also! Mein Partner ist Fritz Ahrens im rot-schwarzen Hemd und mit dem Westernschmuck um den Hals. Wir gehen auf das ein anderes Paar zu, berühren unser Gegenüber kurz an den Händen und bewegen uns wieder auseinander. Dann gehen nur die Frauen in die Mitte, fassen sich an den Händen und drehen sich. Diese Figur heißt „Stern“.

Es ist ein wenig wie spazieren gehen. Die Befehle des Caller führen mich gut durch den Tanz, den Rest erledigen meine wechselnden Partner: Ziehen mich in die richtige Richtung, fangen mich ein, wenn ich abhandenkomme. Ab und zu verliere ich die Orientierung: Wo geht’s weiter und mit wem?
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Video: Tanzen mit den Hunte Valley Dancers
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Die verschiedenen Figuren des Square Dance stammen aus den Tänzen der Völker, die in die USA einwanderten, zum Beispiel aus dem English Country Dance. In Deutschland verbreitete sich der Square Dance durch die amerikanische Besatzung nach dem Zweiten Weltkrieg. Es gibt zwei Formen des Square Dance: den Traditionel Square Dance und den Western Square Dance. Heute wird meistens der Western Square Dance getanzt, in dem der Caller die Figuren ansagt. Unter den Callern gibt es auch heute einige Stars, die von vielen Clubs gerne als Showmen angeheuert werden.

Einen Boom erlebte der Square Dance in den 90er-Jahren. Vor allem in Schweden, Dänemark, England, Deutschland und Tschechien war er beliebt, außerhalb Europas vor allem in Australien und Japan, wo es auch heute noch viele Clubs gibt.

(Quelle: Wikipedia)

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Einen Grundschritt, wie ich ihn bei vielen anderen Tänzen gelernt habe, gibt es hier nicht – dafür aber über 60 Figuren, die jeder Square-Dance-Anfänger als Basis in seiner „Class“ lernt. Die Class dauert ein halbes Jahr bis Jahr und ist die Grundausbildung beim Square Dance. Am Ende steht die "Graduation", eine Zeremonie, in der die neuen Tänzer in den Square-Dance-Kreis eingeführt werden. „Die Fülle an Figuren ist die Schwierigkeit“, sagt Fritz. „Wenn ich die letzte gelernt habe, habe ich die erste schon wieder vergessen.“
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Gesa Lankenau brachten neben der Freude an der Bewegung die tollen Kostüme und die weiten Röcke zum Square Dance. „Alles dreht sich so schön mit: nach rechts, nach links.“ Die Petticoats kannte sie schon, bevor sie anfing, von einer Freundin. Die sagte eines Tages zu ihr: „Wir gehen mal tanzen!“

Nach zwei Stunden wusste Gesa, dass Square Dance ihr Sport werden würde. Das war vor vier Jahren. Mittlerweile hat die 25-Jährige längst die Class absolviert. „Am Square Dance gefällt mir, dass ich nie weiß, was kommt“, erzählt sie. „Der Caller plant die Folgen und du wirst überrascht.“ Dass nicht nur zu Countrymusik getanzt wird, kam ihr recht: „Das hätte mich sonst abgeschreckt.“ Die Hunte Valley Dancers tanzen auch zu „Atemlos“, „Ein Hoch auf uns“ oder „Sex Bomb“.
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Wir verlassen unseren Anfangspartner und gehen im Kreis aneinander vorbei. Den entgegenkommenden Tänzern reichen wir dabei kurz die Hand. Mal landen wir beim Corner, mal drehen wir uns zum Abschluss mit unserem Partner. So kommen immer wieder neue Kombinationen zustande. „Hat jetzt jeder wieder seinen Anfangspartner?“, fragt Caller Jens Klusmann mehrere Male. Schließlich soll jeder Tänzer, jede Tänzerin am Ende eines Songs wieder „nach Hause kommen“.
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Caller Jens Klusmann hat die Gruppe fest im Griff. Der Wilhelmshavener tanzt seit 1971, für ihn ist Square Dance ein Hobby und in der Fremde ein Türöffner. Alles begann damit, dass seine fünfeinhalb Jahre ältere Schwester ihn ermahnte: „Du bist echt ein Stubenhocker geworden, bastelst nur zu Hause herum! Komm doch mal mit zum Volkstanz.“ Viel Lust hatte Jens Klusmann nicht, ließ sich aber überreden.

Die meisten Volkstänze gefielen ihm wirklich nicht. Aber: Jens Klusmann tanzte seinen ersten Square Dance. Und war begeistert. Der Tanz wurde sein Hobby, nicht nur in Wilhelmshaven. Während seiner Zeit bei der Marine war Jens Klusmann auch in den USA stationiert. „Square Dance war der Einstieg in die amerikanische Gesellschaft“, erinnert der 65-Jährige sich. „Die Leute haben uns von der Kaserne mit in ihre Familien genommen.“ Getanzt wurde in den Vereinen bis in den Morgen, danach stiegen bei den Tänzern zu Hause After-Partys mit Pancake-Frühstück. „So habe ich dort meine Wochenenden verbracht“, sagt der 65-Jährige.
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„Callen lernt man nur durch callen“, sagt Jens Klusmann. „Man muss ausprobieren, welche Figuren zusammenpassen.“ Was schwierig daran ist? „Die Menschenführung.“ Man stehe schließlich als Beispiel da, ein bisschen wie ein Fußballtrainer, der eine Gruppe zusammenhalten muss. Wichtig sei, die Tänzer gut anzusprechen, passende Choreografien auszusuchen und für Spaß und Spannung zu sorgen.

„Let the Dancer win - Lasst den Tänzer gewinnen“, sagt Jens Klusmann. „Das ist das Motto beim Square Dance.“
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Der Song "Rocky Top" ist einer der Squaredance-Klassiker.
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Und noch ein Tanz! Zwischendurch schaue ich lieber zu, werde aber immer wieder zum Mitmachen ermutigt. Diesmal tanze ich mit Karin Heidrich und lerne den Swinging-Schritt, den einzigen Schritt, den man im Square Dance in klassischer Paartanzhaltung tanzt, wie ich erfahre. Zusammen drehen wir uns hüpfenderweise, um dann schnell in die nächste Figur zu wechseln. Es ist gerade mal der zweite Tanz, aber ich muss mich sehr konzentrieren, um nicht zu oft in die falsche Richtung abzuhauen oder dem falschen Partner in die Augen zu schauen. Aber Karin passt gut auf mich auf.

„Toleranz ist ein Grundpfeiler des Square Dance“, erklärt die 63-Jährige. Beim Square Dance kommen unterschiedliche Menschen zusammen. Ob Grünkohldance oder Weihnachtsparty - gerade bei den Specials, den clubübergreifenden Veranstaltungen, treffen sich Tänzer aus verschiedenen Orten und verschiedener Altersgruppen.
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Einige der Hunte Valley Dancers sind schon seit Jahren oder Jahrzehnten dabei. So auch Michelle, die gerade mal 19 ist, aber schon seit acht Jahren mittanzt, heute im schwarz-weißen Petticoat. Bei ihr liegt der Square Dance in der Familie: Die Mutter fing damit an, die Schwester und Michelle schauten zu, bis sie dann selber mitmachten. Heute ist Michelle mit ihrem Vater hier. Ja, auf den Specials, den Tanztreffen verschiedener Clubs,  seien schon mehr junge Leute, auch mal Männer. „Einige Tänzerinnen bringen ihren Freund mit und der muss es dann auch lernen“, sagt Michelle und grinst.

In Deutschland gibt es seit 2007 im Raum Hamburg einen Jugendclub, die  "Lions Squares". Er hat das Ziel, junge Square Dancer aus ganz Deutschland zusammenzubringen.
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Square Dancer können überall auf der Welt mittanzen. Die Schritte, Befehle, Figuren sind international gleich. Einige Tänzer "sammeln" sogar Clubs: In ihre Friendship-Büchern lassen sie dann eintragen, wo sie zu Besuch waren. Oder sie heften sich Freundschaftsdängel, Plaketten der jeweiligen Clubs, als Erinnerungen an ihr Namensschild.

Um die gegenseitigen Tanzbesuche in Schwung zu halten, gibt es Bräuche, die Zeltlager-Sitten ähneln: Die Oldenburger klauen den Delmenhorstern ihr Banner. So müssen die Delmenhorster wiederum in Oldenburg vorbeikommen, um es zurückzuholen. Dieses Spielchen motiviert die Clubs. Woanders sind zu diesem Zweck Fässer im Umlauf.


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Am Ende des Tanzes verbeuge ich mich zu meinem Tanzpartner, dann zum Corner. Wir kommen in der Mitte zusammen, strecken die Arme aus. Thank youuuuu, Hunte Valley Dancers! Es hat verdammt viel Spaß gemacht!

Aber wäre Square Dance was für meinen Tanzfreund und mich? Ich weiß ja nicht. Ich glaube, dem Kollegen und mir würde es auf Dauer schon sehr schwer fallen, den Ansagen des Callers zu folgen. Wir würden uns gut amüsieren, aber unzumutbar oft aus der Reihe tanzen. Gehorchen ist nicht so unser Ding, die Suche nach dem perfekten Tanz geht  weiter.
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Ich habe einen überaus tanzwütigen Freund. Bei jeder guten Gelegenheit – Disco, Stadtfest, Grünkohltour – schleudert er mich so wild über die Tanzfläche, dass mir nach spätestens zwei Runden schwindelig ist. Ohne Gnade! Dieser Freund fragte mich also, ob wir nicht mal einen Tanzkurs zusammen machen wollen. Ja klar! Warum nicht? Selbst bei unserem gekonnten Freestyle ist noch Luft nach oben.

Aber welchen Tanz lernen wir bloß? Es gibt ja so viele. Die Lösung lag auf der Hand: Ich tanze mich einmal quer durch Oldenburg – und dann entscheiden wir. Beziehungsweise ich. Denn das letzte Wort liegt bei mir, wie mir der Freund großzügigerweise versicherte. Bis ich den perfekten Kurs für uns gefunden habe, teste ich also verschiedene Stile und erzähle hier von meiner tänzerischen Reise durch die Stadt.


Sie tanzen? Und wollen Inga Wolter von Ihrem Hobby überzeugen? Dann melden Sie sich unter inga.wolter@nwzmedien.de.
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