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Los geht's

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Sí, ich wollte schon mal Salsa lernen! Das war aber eine ziemlich missglückte Aktion. Zwei Freundinnen und ich hatten uns Tanzpartner gesucht – per Aushang an der Uni. Kurz zusammengefasst: nicht die beste Idee. Aber jetzt versuche ich es noch mal, in der Oldenburger Tanzschule "Salsa y sabor".

Kaum habe ich einen Fuß über die Türschwelle gesetzt – da kommt Tanzlehrer Alejandro Dueñas (33) schon auf mich zu und umarmt mich stürmisch. „Da ist sie ja - die Inga!“ Als würde er mich schon ewig kennen. Sofort bin ich aufgenommen, in den Kreis der Oldenburger Salsafans.

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Doris tanzt seit sieben Jahren Salsa, hat lange in Aurich gewohnt und lebt erst seit kurzem in Oldenburg. Aber sie ist voll angekommen in der Szene. Sie kennt sich aus mit den Partys in der Region – egal ob Salsa, Bachata oder Kizomba.

„Ich kann mir mein Leben ohne Salsa nicht vorstellen“, sagt die kleine Frau mit den kurzen Haaren. „Das Tanzen richtet mich auf, wenn ich geknickt mit.“ Sie macht einen geraden Rücken und hebt den Kopf an. „Körperlich und innerlich.“

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Rainer aus Emden stolperte mehr oder weniger zufällig ins Salsatanzen hinein. „Ich saß in einer Bar in Groningen“, erzählt der 45-Jährige. „Da sprach mich eine Studentin an, ob ich nicht mit ihr einen Salsakurs machen wollte. Ich wusste gar nicht, was Salsa ist!“ Aber er machte trotzdem mit. Seit vier Jahren ist er nun dabei, tanzt regelmäßig in Leer und fährt extra zum Unterricht nach Oldenburg.

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Es geht los, ganz einfach. Wir bewegen uns von einem Fuß auf den anderen, versuchen den Rhythmus zu spüren. Alejandro klopft dazu mit Klanghölzern. Das klingt gut. Und hilft. Der Rhythmus ist das schwierigste, bin ich doch nicht mit Salsa aufgewachsen wie Alejandro. Auch den Grundschritt lernen wir schnell – eins, zwei, drei, dabei "mit der Hüfte wackeln". Die Betonung liegt auf drei, es folgt eine kurze Pause.

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„Salsa hat schon immer zu meinem Leben gehört“, sagt Alejandro, der aus der peruanischen Hauptstadt Lima kommt. „Bei uns lief die Musik von morgens bis abends.“ Seine Mutter hörte Salsa tagein, tagaus. Im Radio spielte man sie rauf und runter. 2003 kam Alejandro nach Deutschland, eigentlich um zu studieren. Stattdessen machte er aber eine Ausbildung zum Außenhandelskaufmann und unterrichtete nebenbei – mit viel Feuer – Salsa. Der Bürojob war nichts für ihn. Lieber belegte er Privatstunden bei Salsa-Stars und wurde Tanzlehrer.

Kaum zu glauben: Ausgerechnet die Liebe zum Tanz und zur Musik hielt ihn in Deutschland. „Tanzen ist hier als Kultur anerkannt“, erklärt Alejandro. Das war damals in Peru nicht so. Seine Eltern wollten, dass er was Vernünftiges lernt. „Sie konnten mir nicht die Möglichkeiten geben, mich tänzerisch weiterzuentwickeln.“ Die Tanzakademien waren zu teuer.

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Die erste Hälfte der Stunde tanzen wir Salsa L. A. Style, auch „Salsa auf Linie“ genannt. Dabei bewegen wir uns, wie der Name schon sagt, auf einer Linie. Die Frau ist weniger auf den Mann fokussiert als bei anderen Salsa-Stilen. Auch können die Tänzer immer mal wieder für sich glänzen, weil es längere Phasen ohne Körperkontakt gibt. Das Für-sich-glänzen – in der Fachsprache „Shines“ genannt – macht den Tanz für Filme, Shows und Tanzturniere besonders interessant.

Wir lernen den nächsten Schritt. Akzent auf dem linken Fuß, dann einen Schritt mit rechts – und schon habe ich mit dem Mann den Platz gewechselt. Der Mann – das ist in Alejandros Kurs immer ein anderer. Alle paar Minuten habe ich einen neuen Tanzpartner, was für mich als Anfängerin schon eine Herausforderung ist, aber auch eine Überraschung.

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Die können ja alle tanzen! Jeder hat seinen eigenen Stil, der eine führt mit einer Hand, der andere hält einen eher an der kurzen Leine, der nächste macht kleine Handbewegungen im Rhythmus der Musik. Aber sie haben es alle drauf.
 
Einer baut sogar eine „Finte“ ein, drückt mich in die eine Richtung und holt mich wieder zurück. Ja ja, dieses kleine Täuschmanöver hätte jetzt auch von meinem tanzwütigen Freund sein können, den es langsam in den Füßen kribbelt: Wann er denn endlich mittanzen dürfe?, fragte er letztens. Ich beschließe, ihn beim nächsten Tanz endlich mitzunehmen.

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Salsa hat seinen Ursprung im englischen Kontratanz des 17. Jahrhunderts. Aus diesem Gruppentanz entwickelte sich ein Paartanz. Durch Kolonialherren aus Frankreich und Spanien gelangten der Tanz in die Karibik. Er spielte dort bei religiösen Feierlichkeiten eine Rolle. In Kuba und Kolumbien wurde er auch dem Werbetanz, bei dem die Partner sich umkreisten und vor allem der Mann sich selbst darstellen konnte. Nach dem zweiten Weltkrieg kamen viele Emigranten aus Süd- und Mittelamerika in Städte wie zum Beispiel New York. Dort vermischten sich die vielen Tanzarten zu einer Soße (Salsa). Deutschland erreichte der Salsa in den 80er-Jahren.

In vielen Schulen auch die lateinamerikanischen Tänze Bachata und Merengue und der afrikanische Kizomba unterrichtet.

Mehr Salsa auf der Homepage der Tanzschule Salsa y sabor

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„So, ihr Naturtalente!“, ruft Alejandro passend dazu fröhlich durch den Raum, nachdem er ein paar neue Bewegungen erklärt hat. „Jetzt schnappt euch eine Frau, wir sind hier nicht im Kindergarten!“ Er schnappt sich mich und hat erst einmal was zu beanstanden. „Dein Arm schlackert so rum beim Tanzen!“, meint er. „Ja, aber was soll ich denn mit dem auch machen?“, wundere ich mich. „Ja, irgendwas! In die Hüfte stützen oder in der Luft eine kleine Bewegung machen.“ Das versuche ich sofort. Alejandro lacht. Es sieht wahrscheinlich eher aus, als würde ich mir Luft zufächeln oder Fliegen fangen.

Ansonsten läuft’s rund mit Alejandro. Er wirbelt mich durch den Tanzsaal, bringt mir feine, fließende, aber auch große, zackige Bewegungen bei. Es geht auch dramatisch! Nebenbei lerne ich das Flirten. Das heißt auf Spanisch Guapea. Wir machen unseren Grundschritt nach hinten, berühren uns kurz an den Händen und gehen dann wieder auseinander. Schön!

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In der zweiten Hälfte tanzen wir Salsa cubana, auch Salsa de la Calle (von der Straße) genannt. Der ist freier, lebendiger und rhythmischer. Die Paare drehen sich um einen gemeinsamen Mittelpunkt. Der Mann lässt die Frau fast nie los, sodass es weniger Raum für eigene Interpretationen gibt.

Alejandro macht mit mir, was er will, ich muss nur mitmachen. So gesehen ist Salsa leicht. „Hauptsache du gehst weiter!“, sagt er. „Und gehen kannst du.“ Wir tanzen Rücken an Rücken aneinander vorbei, drehen uns im Kreis mit gekreuzten Armen.

Dann kommt die Kür: Alejandro dreht mich auf der Stelle. Einmal, zweimal, dreimal. Himmel, gleich habe ich einen Drehwurm, denke ich. Mehr geht nicht – oder doch?

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Wenn Alejandro mit Charlotte tanzt, geht noch mehr. Egal, ob es Salsa oder Bachata ist. Die 24-Jährige tanzt wie eine Salsa-Göttin, weich, gefühlvoll, strahlend. Für die 24-jährige Studentin ist das hier „wie ein kleiner Kurzurlaub“. „Salsa kann man nur mit guter Laune tanzen! Das geht gar nicht anders.“

Charlotte, auch „Charly“ genannt, liebt die Tanzszene, weil man so schnell Leute kennenlernt. Ihren Bachata-Tanzpartner „griff sie auf einer Party ab“. In Madrid tanzte sie sich durch die Clubs, allein. „Kaum kam ich rein, hielt mir jemand die Hand hin und es ging los“, erinnert sie sich.

Auch fasziniert sie, wie gemischt die Szene ist: „Hier tanzen Leute zwischen 20 und 70 mit.“ Cornelia ist 58 und über Zumba zum Salsa gekommen. „Das hat sich so ergeben“, erzählt sie. Und ja, manchmal sei sie frustriert, weil die Ansprüche im Kurs hoch seien. Aber sie kommt nicht davon los.

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Mittlerweile hat sich auch in Peru viel getan, wie Alejandro erzählt. Tanzen sei nun anerkannter. Es gebe viel mehr Tanzschulen. „Meine Eltern waren noch lange skeptisch“, sagt Alejandro. Bis er seine Mutter nach Deutschland einlud, sie zum Kurs, zu den Tanzpartys mitnahm. „Da hat sie gesehen, dass ich meinen Weg gegangen bin.“ Auch tänzerisch: „Ich will nicht, dass die Leute eine Figur nach der anderen tanzen. Sie sollen lieber die Musik spüren, das Führen lernen.“

Ich bin mir sicher: Egal ob Salsa L.A. oder cubana – hier hätte sich auch mein Tanzfreund effektvoll in Szene gesetzt. Ist Salsa mehr als nur ein Kurzurlaubs-Flirt? Mal schauen. Doch als ich aus dem Auto steige, schwingen auf dem Weg zur Wohnung jedenfalls immer noch die Hüften mit – Salsa de la Calle, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich könnte die Nacht zum Tage machen, so beschwingt und fröhlich fühle ich mich.

Bilder und Video: Christian Ahlers

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Ich habe einen überaus tanzwütigen Freund. Bei jeder guten Gelegenheit – Disco, Stadtfest, Grünkohltour – schleudert er mich so wild über die Tanzfläche, dass mir nach spätestens zwei Runden schwindelig ist. Ohne Gnade! Dieser Freund fragte mich also, ob wir nicht mal einen Tanzkurs zusammen machen wollen. Ja klar! Warum nicht? Selbst bei unserem gekonnten Freestyle ist noch Luft nach oben.

Aber welchen Tanz lernen wir bloß? Es gibt ja so viele. Die Lösung lag auf der Hand: Ich tanze mich einmal quer durch Oldenburg – und dann entscheiden wir. Beziehungsweise ich. Denn das letzte Wort liegt bei mir, wie mir der Freund großzügigerweise versicherte. Bis ich den perfekten Kurs für uns gefunden habe, teste ich also verschiedene Stile und erzähle hier von meiner tänzerischen Reise durch die Stadt.


Sie tanzen? Und wollen Inga Wolter von Ihrem Hobby überzeugen? Dann melden Sie sich unter inga.wolter@nwzmedien.de.

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