Landingpage
Willkommen in der Bronxvon Björn Buske
In loser Reihenfolge stellen wir daher die Stadtteile von Oldenburg mitsamt ihrer Besonderheiten vor.
Den Auftakt macht ein Ausflug tief in den Süden - in die "Kreyenbronx", nach Kreyenbrück, wo immerhin 15 Prozent der Oldenburger leben.
Vom Dorf zum Stadtteil
Vom Dorf zum Stadtteil
1824 wird Kreyenbrück als Ortsteil von Bümmerstede im Kirchspiel Osternburg im Oldenburgischen Staatskalender aufgeführt, 1891 im offiziellen Ortschaftsverzeichnis des Großherzogtums erstmals als eigenständige Ortschaft.
Lange bleibt Kreyenbrück klein und beschaulich: 1897 leben gerade einmal 127 Menschen hier. Im Bereich der heutigen Cloppenburger Straße stehen einige Bauernhäuser, umgeben von weiten Kornfeldern. Das Bild zeigt den Blick von der CloppenburGer Straße in Richtung Buschhagenniederung. Weiter im Osten weiden Schafe auf einer Heide- und Moorlandschaft.
Militär
Zeitweise wird Oldenburg so zum zweitgrößten Truppenstandort der Bundeswehr in Deutschland.
Für Ablenkung unter den Soldaten sorgen zahlreiche Kneipen und Diskotheken, die in der Nähe der Kasernen entstehen. Die Cloppenburger Straße wird zur Feiermeile - inklusive aller negativen Nebenerscheinungen. Der Stadtteil bekommt besonders bei Auswärtigen einen schlechten Ruf.
Die Kaserne wird zivil
Der Knast
Im neuen Oldenburger Gefängnis, das den alten Standort im Gerichtsviertel ablöste, können bis zu 304 Straftäter untergebracht werden.
Anwohner in direkter Nachbarschaft stören sich kaum am Gefängnis vor der Haustür. "Wenn überhaupt hat es gefühlt zu mehr Sicherheit geführt, weil viel mehr Polizisten auch in zivil in der Gegend sind", meint etwa Gero Oltmanns, der seit mehr als 60 Jahren in der Nähe lebt.
Kreyenbrück und die Flüchtlinge
Kreyenbrück und die Flüchtlinge
Und die Neuankömmlinge sollten das Gesicht von Kreyenbrück auf Jahre hinaus prägen. Zunächst in der demilitarisierten Hindenburg-Kaserne untergebracht gründeten sie kleine Läden und Unternehmen, die teilweise heute noch existieren: Schlachter, Gemüseladen, Fischladen, Elektrotechniker und Schneider gab es damals, auch zur Freude der Ur-Kreyenbrücker, die nun viele Dinge des täglichen Bedarfs auch direkt vor der Haustür bekamen. Auch ein Kindergarten wird in den ehemaligen Militärgebäuden gegründet.
Neue Schutzsuchende
Die Kolckwiese war früher Teil des umfangreichen Areals der Bundeswehr in Kreyenbrück. Die EWE hatte das Gelände mit übernommen, aber nicht bebaut.
50 weitere Schutzsuchende aus dem Iran, Irak und Syrien sind in dem auf dem Foto zu sehenden ehemaligen Park-Hotel an der Cloppenburger Straße untergebracht.
Wohnen in Kreyenbrück
Wohnen
Viele Straßen sind zu der Zeit weder gepflastert geschweige denn asphaltiert: Einfache Sandwege durchziehen das ehemalige Moor.
Ein Stadtteil verändert sein Gesicht
An vielen Stellen im Stadtteil wird gebaut. Wo einst Hofgebäude und Ställe am Kielweg standen (Foto), entstehen nun sechs mehrgeschossige Gebäude, in denen 73 Wohnungen sowie zwei Wohngemeinschaften für Behinderte untergebracht werden. Auf alten Grundstücken, die teilweise jahrelang vernachlässigt wurden, wachsen Wohn- und Geschäftshäuser in die Höhe. Und am Bahndamm stehen Reihenhäuser auf den ehemaligen Brachflächen.
Die Cloppenburger
Die Cloppenburger Straße
1958 steht hier Oldenburgs erste Ampel, ab 1968 regelt ein Computer den Verkehr - auch das ist eine Premiere für Oldenburg.
Voll elektrifiziert
Damit rückt der Stadtsüden dichter an das Zentrum. Und trotzdem bleibt der Weg nach Kreyenbrück "eine Weltreise", wie Jürgen Beyer berichtet. Er wuchs in der Innenstadt auf, lebt aber seit Jahrzehnten in Kreyenbrück.
Kreyenbrücks Lebensader
Vor allem aber steht man auf der Cloppenburger: Der Berufsverkehr verstopft die zweispurige Einfallstraße am Morgen und späten Nachmittag. Für viele Pendler aus den Landkreisen Oldenburg und Cloppenburg ist Oldenburgs meistbefahrene Straße der schnellste Weg in die Huntestadt.
Der schnellste Weg ins Zentrum
Auf dem Deich des Osternburger Kanals geht es auf einer wunderbar asphaltierten Strecke entlang eines Neubaugebietes, hinter dem Sportplatz von Tura 76 und unter dem Niedersachsendamm entlang bis zur Cäcilienbrücke. Der Blick auf Felder und Wiesen der Buschhagenniederung holt einen für ein paar Minuten raus aus der Stadt und (fast) rein in die Natur.
Der Klingenbergplatz
Der Klingenbergplatz
Seinen Namen hat der Klingenbergplatz ebenso wie die gleichnamige Straße von Georg Klingenberg, einem deutschen Elektrotechniker und ehemaligen Vorstandsmitglied der AEG.
AEG-Gelände
Die Beschäftigtenzahlen stiegen in den Folgejahren rapide, in Spitzenzeiten waren hier mehr als 3000 Menschen in Lohn und Brot. Besonders die Kriegsflüchtlinge profitierten von den neuen Jobs - und konnten in der Umgebung eigene Häuser bauen, die noch heute das Gesicht des Stadtteils prägen.
Nach mehreren Übernahmen und Umbenennungen wurden die Tore des Betriebs 2013 endgültig geschlossen.
Radikale Veränderungen
Untergebracht werden soll in einem fünfgeschossigen Neubau mit einer Nutzfläche von 6600 Quadratmetern ein Schwesternwohnheim mit 20 Appartements, eine Tagespflegestation mit elf Plätzen, eine Wohngemeinschaft für Demenzpatienten mit zwölf Plätzen, 14 Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen für Senioren und 14 Mietwohnungen. Rund zehn Millionen Euro will die GSG hier investieren, Baubeginn soll möglichst im ersten Quartal 2017 sein.
Lage regte sich aber Widerstand: Besonders die Kreyenbrücker Kaufleute störten sich an der geplanten Reduzierung der Parkplätze. Inzwischen ist aber eine Einigung erzielt worden.
Crimebrück und Kreyenbronx?
Crimebrück und Kreyenbronx?
Zahlen lügen nicht. Eine Auswertung der von der Oldenburger Polizei veröffentlichten Pressemeldungen aus dem ersten Halbjahr 2016 zeigt folgendes Bild:
23.521 Menschen - fast 15 Prozent der Oldenburger - leben in Kreyenbrück. Aber nur zehn Prozent der Einbrüche finden hier statt. Fünf Prozent der Raubüberfälle. Zum Vergleich: In der Innenstadt sind es 28 Prozent. Keine Köperverletzungen, keine Belästigungen oder Drohungen wurden von der Polizei im ersten Halbjahr 2016 in Kreyenbrück gemeldet. MIt 15 Prozent der Diebstähle liegt der Stadtteil in dieser Kategorie im statistischen Rahmen.
Ausflug nach Bümmerstede
Ausflug nach Bümmerstede
Klar ist: Der ehemalige Hauptort Bümmerstede, dem Kreyenbrück lange nachgeordnet war, ist heute mit mit seinen 9100 Einwohnern bedeutend kleiner als Kreyenbrück. Gerade im auf dem Foto zu sehenden Bereich Alt-Bümmerstede ist der alte Charakter des Stadtsüdens noch gut erlebbar: Alte Bauernhöfe stehen im Übergang zwischen Wiesen- und Ackerflächen auf der einen und dem urbanen Oldenburg auf der anderen Seite.
Sollten Sie gesehen haben...
Das sollten Sie gesehen haben
Kreyenbrücker Mühle
Die letzte noch funktionierende Mühle Oldenburgs steht in Kreyenbrück. Auf den Grundmauern der alten Windmühle wird nach dem zweiten Weltkrieg eine Motormühle errichtet, die bis 1978 in Betrieb war. Heute führt Erich Wiede, Sohn des letzten Müllers, interessierte Besuchergruppen durch das Gebäude.
Buschhagenniederung
Die Buschhagenniederung ist der nördlichste Teil des 1976 ausgewiesenen Landschaftsschutzgebietes „Mittlere Hunte". Zwischen den Hochwasserdämmen des Osternburger Kanals und der neuen Hunte hat sich bis heute ein Rest dieser Landschaft von fast musealem Charakter erhalten.
Osternburger Utkiek
Von Namen her zwar Osternburg liegt ein Teil der höchsten Erhebung Oldenburgs auch auf Kreyenbrücker Gebiet. Auf der ehemaligen Müllhalde finden regelmäßig Veranstaltungen statt und auch für den sonntäglichen Spaziergang ist das weite Areal gut geeignet.
Parkfriedhof Bümmerstede
Am Westrand von Bümmerstede, angrenzend an Kreyenbrück, liegt der städtische Parkfriedhof Bümmerstede, auf dem neben christlichen auch buddhistische, muslimische, jüdische und yezidische Grabfelder angeboten werden.
Kreyenbrück kulinarisch
Der beste Döner im Süden
Unter Leitung von Sternekoch
Levren Vural
werden im "Mangal" in der Cloppenburger Straße türkische Leckereien auf dem Holzkohlegrill zubereitet. Für den schnellen und nicht zu teuren Hunger. Empfehlung: Iskender-Kebab mit extra Fladenbrot.
Darf es mal iberisch sein
Ein Stück Spanien - und natürlich Portugal - gibt es direkt an der Cloppenburger Straße. In der "Casa Iberico" verkauft Manuel Rubio seit 16 Jahren neben Wein und Spirituosen auch viele der kleinen Häppchen zum Verkauf, den man aus dem Urlaub auf der iberischen Halbinsel kennt und liebt. Empfehlung: Oliven und Salzgebäck zum Bier aus Spanien.
Eis, Eis, Baby
Ganz am Rand von Oldenburg, an der Sandkruger Straße, wird es im Sommer eng auf dem Radweg. Dann nämlich bilden sich regelmäßig Schlangen vor dem "Eis-Treff" an der Hausnummer 192. Neben Standardsorten gibt es ständig wechselnd auch etwas für Freunde des ausgefalleneren Eisgeschmacks. Kostprobe: Wüstensand, Pflaume-Wallnuss oder Crème Brûlée.
Nicht nur Drehspieß
Dass die türkische Küche mehr als nur Döner kann wird im "Antalya" an der Bümmersteder Tredde schnell klar. Nicht auf den ganz schmalen Geldbeutel ausgerichtet serviert die Familie um die sechs Brüder Tapu Leckeres aus der Türkei. Achtung: Vegetarier finden zwar auch etwas, Fleisch spielt bei vielen Gerichten aber die Hauptrolle. Empfehlung: Schmeckt alles.
Quellen und Dank
Quellen und Dank
Quellen und Dank
Maria Bollerslev vom Bürgerverein Kreyenbrück und Bümmerstede, Erich Wiede, Gero und Waltraut Oltmanns, Jürgen und Inge Beyer sowie Jochen Klein
Quellen:
Kreyenbrück und Bümmerstede: Oldenburger Ansichten - Bernd Franken, Helga Kramp
Kreyenbrück und Bümmerstede: Gestern und heute - Matthias Schachtschneider
Lebensstation Kreyenbrück: Aus der Geschichte der Oldenburger Hindenburg-Kaserne - Joachim Engelmann
Statistiken:
Deutschland123.de
Pressemitteilungen der PI Oldenburg-Stadt/Ammerland
Fotos:
NWZ-Archiv
Privatarchiv Erich Wiede
Björn Buske
Marc Geschonke
Pexels.com
Kilian+Frenz Landschaftsarchitekten
Luftbilder:
Möwenblick.de
Feedback gerne per Mail
Zurück zu NWZonline