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Tiefe Wasser sind still

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Wasser, Waffen, Leichen, Licht:
Besondere Lagen erfordern besondere Fähigkeiten.
Die Technische Einsatzeinheit der Polizei Niedersachsen - kurz: TEE - ist landesweit zur Stelle, wenn es knifflig wird. 


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Herzlichen Dank und viel Vergnügen beim Abtauchen!

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Schlaff hingen sie herunter. Kleine dünne Ärmchen nur.
Zwei an der Zahl, eiskalt und nass.  "Diesen Moment vergisst Du nie, das lässt Dich nicht mehr los”, sagt er.

Polizeitaucher - das klingt eigentlich nach ’nem tollen Job. Nach beeindruckenden Uniformen und körperbetonten Taucheranzügen. Nach durchtrainierten Beamtenbodys. 
Auf der Flucht entledigtes Diebesgut ausfindig machen! Oder nach Schätzen tauchen, mindestens aber versenkte Autos suchen... quasi Geld verdienen beim Baden!

Nun ja. Um ehrlich zu sein: Der Job des Polizeitauchers birgt in hiesigen niedersächsischen Breitengraden nicht nur (Warmduscher, aufgepasst!) extrem niedrige Wassertemperaturen, sondern auch jede Menge Risiken. Dass man sich oftmals so zentimeterweise wie blindlings durch Untiefen und Schlamm voran tasten muss, ist das eine. Dass man dabei auch auf lang und schmerzlich Vermisste treffen kann, das andere.

Wer da nicht physisch und psychisch trainiert ist, bekommt sehr schnell ein Problem - und den Tipp, sich vielleicht besser einen anderen Job zu suchen.


 


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Während andere Oldenburger ihren Kopf wohl noch ziemlich schwerfällig aus dem Kissen ziehen, taucht Alexander Hespe den seinigen bereits tief hinein - allerdings in 26 Grad warmes Wasser. Publikumsverkehr gibt's keinen. Keine nörgelnden Bahnenzieher, keine Wildplanscher, weit und breit.

Luxus ist das gewiss nicht, auch kein entspannter Spaß am Morgen. Das hier - all das Kraulen, das Tauchen, das Pumpen - ist Arbeit. Und gleichsam Trainingszeit für die Polizeitaucher der sogenannten Technischen Einsatzeinheit Niedersachsen (kurz: TEE). 



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In Oldenburg und erst recht umzu gibt's jede Menge Wasser, auch jenseits von hellblauen Fliesen. Daher macht es nur Sinn, dass die Polizeitaucher des Technischen Zugs (in Hannover, Braunschweig und Oldenburg stationiert) hier vor Ort ständig einsatzbereit sind. 
Ihr Einzugsbereich ist immens, bis nach Hamburg oder Meppen kann's da schon mal gehen - dann aber natürlich auf Landwegen.

Das Gros dieser vielköpfigen Truppe ist mindestens 30 Jahre alt, viele deutlich darüber. Mittelfristig dürfte es eine ordentliche Fluktuation geben, heißt es. Freiwillig geht aber niemand. "Nein, hier kann man alt werden", sagt da Eberhard Teuteberg.  

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Blind nach Plastikringen tasten, die Taucherflasche in drei Metern Tiefe wechseln oder auch in einem kräftezehrenden Wettlauf kleine wie größere Dinge oberhalb des Wasserspiegels und gemeinschaftlich bis ins Ziel tragen - es könnte doch alles so schön spaßig sein! Wäre da nicht der Ernstfall, für den sie hier regelmäßig trainieren. 

Hier - wie auch außerhalb, in Seen und fließenden Gewässern. Ganz egal, ob zugefroren oder nicht. Das setzt freilich besondere körperliche Fähigkeiten voraus - und ein unerschütterliches Vertrauen in Kollegen wie Ausrüstung.

Denn auch wenn "eigentlich nichts passieren kann", wie sie sich hier mantramäßig sagen, kann dann halt doch mal etwas passieren. Für Situationen wie diese gilt es, sich fit zu halten. Auch im Kopfe.



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In 270 Sekunden kann viel passieren. Ein gekochtes Ei bekommt beispielsweise die perfekte Konsistenz. Schalke verspielt die Meisterschaft. Und Eberhard Teuteberg kann so lang - allein dank Atemluft - unter Wasser bleiben. 

"Zumindest konnte ich es mal", sagt er heute, "trotz der Zigaretten". Wie viele Minuten es jetzt noch sein mögen? Das weiß er nicht. "Man muss es halt regelmäßig trainieren." Der eigene Körper und auch der Taucharzt, den sie jährlich  verpflichtend aufsuchen, sind da schließlich rigoros. 

Jede Körperfunktion verbraucht Sauerstoff. Je ruhiger also der Taucher, desto länger kann er mit einem Atemzug unter Wasser bleiben. Dieses Wissen um die eigenen Fähigkeiten ist im Notfall überlebenswichtig. "Jeder muss die Sicherheit haben, so lange wie möglich die Luft anhalten zu können, bis das Problem gelöst ist", sagt er.






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Was im hellblau gefliesten Becken vielleicht weniger Sorgen bereiten mag, sieht da im Freigewässer schon ganz anders aus. Da auch mal mit Einsatzzeiten jenseits des Sommers und fernab jedweder angenehmer Badetemperaturen gerechnet werden muss, bleibt den Polizeitauchern dieser Part der Vorbereitung natürlich nicht erspart. 

Gleicher Tag, vier Stunden später und (nicht nur) gefühlte 20 Grad kälter. Am und im Baggersee Westerholt wird g
roß fürs Training aufgefahren. Extreme Gewichte und riesige Luftkissen werden ins Wasser eingebracht, reichlich Technik wie Zelte aufgebaut und jede Menge Kabel wie Schläuche verlegt. Dann geht's hinein und - je nach Aufgabenstellung wie erdachtem Szenario - auch hindurch. Viele Meter unterhalb der Welt da draußen.

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Wer tauchen will, muss richtig fit sein - und nicht einfach nur gut hinabsinken können. Ein jährlicher, altersabhängiger Fitnesstest für alle Polizeibeamten weist da den Weg:

Wer jünger als 29 Jahre ist, muss 5000 Meter in 25 Minuten laufen können, 20 Kilometer Radfahren in 41:45 Minuten und 1000 Meter locker in 25 Minuten schwimmen. 

Über 40-Jährige (bis 44) sind mit 3000 Metern Lauf in 17:10 Minuten, 20 Kilometern Radeln in 47:45 Minuten und 800 Metern Schwimmen in 23:30 Minuten dabei. 

Wer älter als 55 Jahre ist (bis 59), sollte den 3000 Meter Lauf in 19:20 Minuten bewältigen, die 20 Kilometer auf dem Rad in 53 Minuten überstehen und 400 Meter in 13 Minuten schwimmen können. Außerdem stehen da noch 7,5 Kilometer Walking/Nordic Walking in 61 Minuten auf dem Programm.

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So trainieren die Polizeitaucher der Technischen Gruppe. Ein Blick hinter die Kulissen im Hallenbad Eversten und am Baggersee Westerholt - auch unter Wasser... 

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Immer eine Handbreit neben die andere. Stück für Stück.

Nur schwerfällig tasten sich die Finger über den Grund voran, bahnt sich Zuversicht ob eines baldigen Fundes ihren Weg durch Algen, Schlamm und Sand. Zehn, vielleicht zwölf Meter unter dem Spiegel. Sichtweite? Ziemlich genau Null. Und die Temperaturen tendieren in dieser Tiefe ganz ähnlich.

Es ist nicht der erste Tauchgang, auch nicht der dritte oder fünfte. Seit einigen Tagen schon suchen sie nach ihm. Dem alten Herrn, der in diesem Spätsommer doch einfach nur noch eine Runde im Wasser drehen wollte. Zwei Radfahrer hatten ihn beobachtet, als er in den See sprang. Dass er wieder heraus kam, sah niemand. 

Auf ein Wunder hoffen weder sie hier unten, noch die Angehörigen weiter oben.

Es ist, was es ist - sagt die Tiefe.

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Obgleich die Polizeitaucher alle Eventualitäten immer und immer wieder durchspielen, üben,üben und nochmals versuchen, ist der Fall des Falles zumeist eben doch nicht wie jeder andere.

Wenn Strömung die meisten Spuren beseitigt hat, Wind und Wetter möglicherweise ihren Part sowie alle Hoffnung in Gänze erledigt haben, bleibt der Einsatzeinheit nur noch der Rückzug.
Oder ein weiterer Tauchgang am nächsten Tag.

Und dem übernächsten.
Und dem darauf folgenden. 

Wasser nimmt, Wasser gibt.
Irgendwann. 

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"Das Tauchen", meint Eberhard Teuteberg, "muss nebenbei funktionieren". Und eben darin liege auch die Schwierigkeit bei der Auswahl des Personals, der Absolventen des Tauchlehrgangs.
 
"Wo sich nachher die Spreu vom Weizen trennt, ist die Frage, wie sich diese Leute in überraschenden Situationen wie eben dem Fund einer Leiche verhalten", sagt er, "da brauchen wir Leute, die sich ihrer Fähigkeiten so sicher sind, dass sie das nicht aus der Bahn wirft." 

Den potenziellen Kandidaten das Tauchen beizubringen, wenn sie denn dazu physisch überhaupt in der Lage sind, sei die geringste Herausforderung. Die größte aber ist allemal die mentale Komponente. 

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"Man braucht eine gewisse Ruhe. Es gibt halt viele Situationen, wo man hektisch werden könnte, wenn etwas nicht so läuft, wie es vorher mal geplant war."

"Und dann hatte ich den Schädel in der Hand. Den habe ich dann auch nicht mehr losgelassen, bis wir oben waren."

"Es ist nicht so, dass ich wegen des Tauchens oder des Anblicks eines toten Menschen schlaflose Nächte hätte. Dann könnte ich den Job auch nicht machen."

(Carsten Hodes)

Carsten Hodes über seine Arbeit
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Jeder einzelne farbige Pin steht für einen Einsatz der Tauchergruppe Oldenburg in den Jahren 2000 bis Mai 2016. Diese Tafel ist an der Bloherfelder Straße zu finden - dort also, wo die niedersächsische Bereitschaftspolizei einen von insgesamt sechs Standorten im Lande innehat. Denn zu ihr und den Hundertschaften gehört auch besagte Technische Einsatzeinheit.

Die Einsätze im groben Überblick:

Schwarz: Suche nach vermisster Person
Gelb: Tatmittel wie Waffen oder gefährliche Gegenstände
Grün: Bergung von Fahrzeugen
Blau: Diebesgut und Beweismittel
Orange:Suche nach Kampfmitteln und Seeminen
Rot: Einsätze im Katastrophenfall und bei Hochwasser
Gold: Schiffsabsuche

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Standardtermine und noch mehr Unvorhergesehenes geben sich im Alltag der Polizeitaucher die Klinke in die Hand.

Ob böse Buben oder Unglücke - so unterschiedlich die Meldelagen lauten, so unterschiedlich sind auch die Anforderungen an die Einsatzkräfte. 

Die Tauchergruppe hat den NWZ-Lesern einen Einblick in ihr privates Einsatzfotoalbum gewährt. 

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Dieser Smart "fortwo" hätte ganz allein wohl nie mehr den Weg zurück auf die Straße gefunden - allein schon wegen des immensen Zusatzgewichts durch eingebrochenes Wasser, schwerem Schlamm und extremem Muschelbefall. Wären da nicht die Polizeitaucher aus Oldenburg gewesen. Sie hatten bei Wilhelmshaven nach vielem anderen, nur nicht nach einem Fahrzeug im Wasser gesucht. 

Sieben Jahre lang hatte das einst gestohlene Auto also unentdeckt im Hafenbecken gelegen. Dann wurde es von den Einsatzkräften entdeckt und  geborgen, später extern im Online-Auktionshaus Ebay unter den Stichworten "Sonderlackierung Muscheln und Rost" versteigert - für den guten Zweck. Ein Mann aus Wilhelmshaven hatte 1131 Euro für das Schrottstück geboten. Der Erlös ging an die Wilhelmshavener Tafel. 

(Foto: Polizei)

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Manchmal kann der Traumberuf ein richtiger - mit Verlaub - Scheißjob sein. Eine beweiskräftige "Fundsache" galt's seinerzeit auch aus diesem Güllebecken zu bergen.

Tauchen war hier aus gesundheitlichen Gründen zwar nicht möglich (und wird aus eben diesen auch abgelehnt), aber immerhin konnten beziehungsweise mussten sich die Einsatzkräfte dort voran tasten.

Mit mehr oder minder großem Erfolg.


(Foto: Polizei)

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"Keine Bewegung unter Wasser, alles ist total still - und man hat eine hervorragende Sicht", sagt Alexander Hespe über die Arbeit unter Eis. Außergewöhnlich sei, "die eigenen Luftblasen unter der Eisdecke" zu beobachten.

Bis es dazu kommen kann, ist allerdings viel Vorarbeit nötig: Mit einer Motorsäge muss ein Zugang ins Wasser geschaffen, eine Rettungsleine am Körper verankert werden. Erst dann, und unter Beobachtung, geht's hinab. Eine extreme körperliche Belastung wegen des 4 Grad kalten Wassers sei das nicht. Vielmehr Kopfsache.


Denn auch wenn ein Mensch von oben durch das Eis brechen könnte - von unten lasse sich die Schicht nicht zerdrücken. Für Otto-Normal-Badende ein Schreckensszenario. Polizeitaucher Hespe hingegen bleibt dort die Ruhe selbst. "Dafür habe ich Höhenangst", sagt er.

(Foto: Polizei)

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Mal sind es Schlüssel, mal behutsam im Tresor geschützte Dokumente, mal auch andere wertvolle Funde, die die Polizeitaucher in den Gründen hiesiger Gewässer auflesen und ans Tageslicht befördern.
Manchmal freuen sich die ursprünglichen Besitzer über die wiedergewonnenen Werte. Häufiger aber nicht. Dann nämlich, wenn diese schon lang aus den Augen wie aus dem Sinn verloren waren. Versicherungstechnisch bereits abgegolten wurden. Oder von Wasser, Schlamm und anderen Uannehmlichkeiten  verunstaltet wie zerstört erscheinen.

Diebesgut und spannende Beweismittel in Strafsachen gehören zur Standardsuche der Tauchgruppe Oldenburg.

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Wenn wiederaufbereitete Brennstäbe auf dem Seeweg nach und durch Deutschland transportiert werden, dann stößt das nicht immer auf Begeisterung. Sogenannte MOX-Transporte aus Großbritannien nutzen die Nordsee, um schließlich hier anzulanden.

Da Kernkraftgegner dies immer wieder verhindern wollen, will die Tauchgruppe eben dieses Verhindern verhindern. Mit weitaus größerem Erfolg. Hier kommen dann auch ihre Boote zum Einsatz.


(Foto: Polizei)

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Jede Unterstützung beim "Aufentern": Hier handelt es sich zwar nur um eine Übung an einer Fähre im Emder Hafen - diese wurde jedoch unter möglichst realistischen Bedingungen gemeinsam mit dem Spezialeinsatzkommando (SEK) vollzogen.

Die Männer der Technischen Einsatzeinheit verdingen sich in derartigen Szenarien von Piraterie oder Anschlägen gewissermaßen als Chauffeure.





(Foto: Polizei)

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"Scharf wie Nadeln" peitscht das Wasser, wenn es von einem Hubschrauber hochgewirbelt wird - so sagt Taucher Carsten Hodes. Es nutzt ja nichts. Um Menschen in höchster Not zu retten, muss probiert werden, was geht.
Vor Hooksiel wurden also verschiedene Möglichkeiten gemeinsam mit der Hubschrauberstaffel durchgetestet, Blessuren ausgeklammert.

Immer wieder wurde der Anflug trainiert, Einsatzkräfte an einer Rettungsleine aufgenommen und gen Land gezogen oder in geringer Höhe über dem Meeresspiegel dorthin geflogen. Unter anderem. "Aber für jemanden, der am Ende seiner Kräfte ist, ist das wenig geeignet", heißt es hier, "und bewusstlose Menschen können so auch nicht aufgesammelt werden." Die direkte Rettung aus dem Wasser wurde nicht minder versucht. "Als die Kufen des Hubschraubers das Wasser berührten, war es brutal", so Carsten Hodes. "Eine absolute Notlösung." Aber Moment! In Kinofilmen ist das doch nie ein Problem...? "Ja, stimmt. Aber das sind auch amerikanische Schauspieler - die können so etwas. Wir ja nicht!", sagt  Alexander Hespe ...

(Foto: Polizei)

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"Die Technische Einsatzeinheit der Polizei ist praktisch das, was außerhalb der Polizei das Technische Hilfswerk bietet."

"Wir holen alles aus dem Wasser, was - polizeilich interessant - ins Wasser fällt oder geworfen wird."

"Wir beseitigen auch technische Sperren, wenn also Aktivisten zum Beispiel sich irgendwo anketten..."

(Alexander Hespe)

Drei Fragen an Alexander Hespe
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Lagebesprechung, Tagesplanung und Manöverkritik: Auf dem Gelände der Bereitschaftspolizeihundertschaft an der Bloherfelder Straße (hier ist auch die Polizeiakademie Niedersachsen beheimatet) haben die Einsatzkräfte ihre Büros. In Oldenburg sind zwar die meisten Taucher stationiert - in den Technischen Einsatzeinheiten Hannover und Braunschweig dafür mehr Techniker vermerkt -, dennoch können die Mitglieder der Tauchergruppe nahezu das gleiche Portfolio bieten. 

Offizielle Dienstzeit ist von 7 bis 15.30 Uhr. Einen Schichtdienst gibt es nicht - dafür aber einen "bedarfsorientierten Dienst". Sprich: Wenn ihre Expertise benötigt wird und ein Anruf aus Hannover auf dem Privattelefon eingeht, sind die Männer auch ohne offiziellen "Bereitschaftsdienst" tatsächlich bereit. "Die meisten stecken ihre Freizeit zurück", sagt Thomas Decker. 

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So schnell sich die Zeiten wandeln, je mehr Problemfelder es gibt und je unterschiedlicher die Technik ausfällt, um so mehr müssen auch die Kräfte der Technischen Gruppe wissen, beherrschen und leisten. Alljährlich kommen neue Arbeitsfelder hinzu, zwei bis drei Mal wöchentlich stehen indes intensive Fortbildungen in Theorie und Praxis an. "Eigentlich müssten wir noch viel mehr Fortbildungstage haben, bei all dem, was wir leisten müssen", sagt da einer - und erntet unterstützend allgemeines Kopfnicken. 

Bei etwaig aus Hannover eingeforderten Einsätzen kann die Truppe nahezu aus dem Vollen schöpfen: Fast alle können alles. Eingesetzt werden dann aber in der Hauptsache jene, die mit der vorhandenen Lage am vertrautesten sein mögen.

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Stilvolles Störmanöver: In Betonpyramiden eingeschlossene Demonstranten, die gegen Castor-Transporte auf die Straße gegangen waren und sich innerhalb des gelben Monstrums angekettet hatten, mussten beiseite geräumt werden. 

Ob sie die Aktivisten denn verstehen könnten? "Diese Frage stellt sich eigentlich nicht. Ich kann nachvollziehen, dass Menschen ihre Meinung vertreten", sagt Carsten Hodes, "aber nicht, wie sie es oft tun." 

Auch eine Straßenblockade sei eine Form von Gewalt. "Der Spaß hört dort auf, wo die Demonstranten sich selbst oder andere gefährden", so Alexander Hespe.

(Foto: Polizei)

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Apropos: Besetzt war seinerzeit auch das Sprengel-Gelände in Hannover und sollte entsprechend geräumt werden. Ganz einfach war das nicht - schließlich hatten sich die Aktivisten tief im Boden in einem Betonklotz verankern lassen.

Während die Einsatzkräfte also oberhalb Hand anlegten und die ausgehärtete Masse ausbuddelten, hatten die Demonstranten augenscheinlich ihren Spaß. Trotz der warnenden Hinweise auf mögliche Amputationen. Derartige Ignoranz sind die Männer der TEE aber leidlicher Weise gewohnt. "Wir hatten auch schon erlebt, wie Freunde zum Protest an aktive Bahngleise gekettet wurden - das geht gar nicht", sagen sie. 

(Foto: Polizei)

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Ob zum Merkel'schen Wahlkampf auf Norderney oder beim nächsten Risikospiel des VfL Osnabrück: Der Aufbau sogenannter "Hamburger Gitter" gehört zum Standardrepertoire der Technischen Gruppe. 

Jedes einzelne ist bis zu 65 Kilogramm schwer und äußerst standfest; die Gitter werden miteinander verbunden und können dann kaum mehr umgeworfen werden.

Gerade vor der Wahl und angesichts der zweifelhaften Öffentlichkeit der AfD waren die Hamburger Gitter im Dauereinsatz. "Jede Woche hatten sie irgendwo mehrere Veranstaltungen an einem Tag", erinnert sich Eberhard Teuteberg, "und überall schrien sie nach unseren Gittern". Das kann schon mal an die Substanz gehen. 

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Wenn ein mehr oder minder großes Feuerchen und seine Folgen auch nur ein klitzekleines bisschen seltsam anmuten, kommt die Technische Gruppe ebenfalls zum Einsatz.

"Brandursachenermittlung" steht dann auf dem Dienstplan. Und das ist durchaus häufig der Fall. "Wir liefern Gutachtern nach einem Brand die Manpower und gleichermaßen Sicherheit auf schwierigem Terrain", so Alexander Hespe. 

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Fliegende Molotow-Cocktails oder versehentlich entflammt? Nun, die Uniformen der Einsatzkräfte halten mittlerweile einiges aus und muten - im Vergleich zu ihren Vorgängern - extrem verbessert (weil hitzebeständiger und flammenhemmender) an. 

Solch ein Probebrand kann gerade Auszubildenden früh die Angst vor dem Echt-Einsatz nehmen.

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Was wie eine aussichtslose Maulwurfjagd wirkt, ist tatsächlich die ernstzunehmende Vorbereitung für einen Einsatz der Diensthundestaffel. Mit Erdbohrern oder Schaufeln wird im wahrsten Sinne des Wortes den Leichenspürhunden das Feld bereitet. 

Sie sollen auf diese Weise schneller eine Fährte unterhalb der Grasnarbe wittern und aufnehmen können. 



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Präsidentenbesuch oder Castor-Transport? Um zu verhindern, dass Täter zu diesem Anlass beispielsweise Bomben in Kanalschächten platzieren, werden diese vor einer entsprechenden Passage von den Einsatzkräften der TEE kontrolliert, verschweißt und dann noch versiegelt. 

Dies kann im Vorfeld einer entsprechenden Wegeführung allerdings auch mehrfach geschehen - je nach Bedarf und Zustand der Versiegelung.

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Weitestgehend gut ausgerüstet ist die Technische Gruppe Oldenburg. In ihren Hallen lagern Fahrzeuge und Boote, aber auch jede Menge Werkzeug und andere nötige Materialien.

Jedes Mitglied dieser Einheit hat eine entsprechende technische Grundausbildung absolviert, weiß also die großen wie kleinen Dreingaben des Landes bestens zu handhaben - sowohl in der Nutzung wie auch in der Wartung.

Denn alle Gerätschaften müssen nach einem Einsatz gesäubert, gepflegt und für den nächsten Termin - wann immer dieser auch anstehen mag - unbedingt perfekt vorbereitet sein.  




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Bloße Mechanik. Das Abspulen von Erlerntem. Jeder einzelne Handgriff, tausendmal geübt.
Und doch endet die eigentlich recht erfolgreiche Suche nicht wirklich befriedigend. Nicht jetzt zumindest. Und nicht für jeden.

Wie mit einem Ende umgehen? Nicht dem eigenen, sondern dem eines anderen. Wie sich selbst erklären, was dessen Angehörigen unerklärlich scheint? 

"So gemein das klingt - aber ob Fahrrad oder Leichnam: unsere taktische Vorgehensweise ist die gleiche", sagt Alexander Hespe, "Du darfst bei so einem Einsatz einfach nicht nachdenken." 

Daher also auch die steten Wiederholungen im Training. Die immer und immer wieder gleichen Schritte. Die Reduzierung aufs Machen, fernab des Fühlens.

Jeder Job wird abgearbeitet. Bis zum Ende.

"Das Tauchen ist die Grundlage, die Basis für alles - wir registrieren es kaum noch, unter Wasser zu sein", sagt Hespe. Und Eberhard Teuteberg ergänzt: "Wir arbeiten unter Wasser - Suchen und Bergen ist unser Job. Und der ist nicht gefährlicher als die Arbeit anderer Polizisten im Land." 




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Die Einsatzkräfte der Technischen Gruppe unterstützen die Polizei Niedersachsen in schwierigen Lagen mit besonderer Technik und speziell ausgebildetem Personal. 

Regelmäßige Fortbildungen und Übungen sorgen für die ständige Einsatzbereitschaft im ganzen Land.

Sie werden zur Beweissuche und -sicherung zu Wasser wie zu Lande angefordert, helfen bei Hochwasserlagen, auch mal mit Lichtmasten und Fahrzeugen aus, und sind überdies beim Auf- wie Abbau von Absperrungen und Hindernissen oder der Deinstallation von Indoor-Plantagen gefordert.

Das Gros ihrer Einsätze bewältigen die Kräfte aber unterhalb des Wasserspiegels - bis zu 45 Mal pro Jahr. 




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Wasser, Waffen, Leichen, Licht: Hier gibt es noch einmal ein zusammenfassendes Portrait im Bewegtbild. 

Die Technische Gruppe im Profil
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Zwischen Juli 2015 und April 2017 gab es immer wieder Zusammenkünfte von tauchenden Einsatzkräften der TEE und NWZ-Reporter Marc Geschonke. Mal war es die bedrückende Suche nach einer vermissten Person, andere Male sollte Diebesgut der Anlass gewesen sein. Viele Fotos und Videosequenzen sind in dieser Zeit entstanden,  beeindruckende Hintergrundgespräche wurden geführt. Momente also, die nur wenige Menschen teilen können. Eindrücke, die nur selten Platz in der Tagespresse finden.

In Zusammenarbeit mit (und dem Einverständnis) der Technischen Gruppe ist daraufhin diese Multimedia-Reportage entstanden. Auf, im, unter und über Wasser.

Deshalb: Vielen Dank an die Oldenburger Einsatzkräfte!

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Text, Fotos und Videos 
(sofern nicht anders gekennzeichnet): 
Marc Geschonke
für die Lokalredaktion Oldenburg der Nordwest-Zeitung

In Zusammenarbeit mit der
Technischen Einsatzeinheit (TEE) der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen (ZPD)
am Standort Oldenburg

Mai 2017

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