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Los geht's

Willkommen in der Bronx

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Mehr als 160.000 Menschen leben in Oldenburg. Und viele erleben nur einen kleinen Ausschnitt der Stadt, die sie Zuhause nennen.

In loser Reihenfolge stellen wir daher die Stadtteile von Oldenburg mitsamt ihrer Besonderheiten vor.

Den Auftakt macht ein Ausflug tief in den Süden - in die "Kreyenbronx", nach Kreyenbrück, wo immerhin 15 Prozent der Oldenburger leben.
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Vom Dorf zum Stadtteil

1630 wird der Name Kreyenbrück erstmals erwähnt. Er wird hergeleitet von der Familie Kreye, die in der Nähe  der heutigen Kreyenbrücke, die Oldenburg mit Tungeln verbindet, lebte. Als Ortsname setzt sich Kreyenbrück aber noch nicht durch.

1824 wird Kreyenbrück als Ortsteil von Bümmerstede im Kirchspiel Osternburg im Oldenburgischen Staatskalender aufgeführt, 1891 im offiziellen Ortschaftsverzeichnis des Großherzogtums erstmals als eigenständige Ortschaft.

Lange bleibt Kreyenbrück klein und beschaulich: 1897 leben gerade einmal 127 Menschen hier. Im Bereich der heutigen Cloppenburger Straße stehen einige Bauernhäuser, umgeben von weiten Kornfeldern. Das Bild zeigt den Blick von der CloppenburGer Straße in Richtung Buschhagenniederung. Weiter im Osten weiden Schafe auf  einer Heide- und Moorlandschaft.
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Über Jahrzehnte war Kreyenbrück geprägt vom Militär. In den 1935/36 erbauten Kasernen kamen zunächst Infanterie-Einheiten unter. Nach Kriegsende waren dort bis zu 480 Flüchtlingsfamilien untergebracht, ab 1958 wurden die Gebäude von der Bundeswehr wieder militärisch genutzt, zahlreiche Wehrpflichtige aus der Region versahen hier bis in die 90er Jahre hinein ihren Dienst. Dieses Foto entstand 1962 in der Hindenburg-Kaserne.

Zeitweise wird Oldenburg so zum zweitgrößten Truppenstandort der Bundeswehr in Deutschland.

Für Ablenkung unter den Soldaten sorgen zahlreiche Kneipen und Diskotheken, die in der Nähe der Kasernen entstehen. Die Cloppenburger Straße wird zur Feiermeile - inklusive aller negativen Nebenerscheinungen. Der Stadtteil bekommt besonders bei Auswärtigen einen schlechten Ruf.
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Ab 1999 wird das Gelände der Hindenburg-Kaserne zivil - und fleißig bebaut. Nahe dem Osternburger Kanal entstehen neue Einfamilienhäuser, während zur Cloppenburger Straße hin Gewerbe angesiedelt wird. So bezieht etwa der Energieversorger EWE die alten Kasernengebäude, auf der Luftaufnahme im Vordergrund zu sehen.
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Auf acht Hektar Fläche am südlichen Ende des ehemaligen Kasernengeländes an der Cloppenburger Straße wird 2001 die JVA Oldenburg in Betrieb genommen. Die Baukosten betragen ca. 53 Millionen Euro.

Im neuen Oldenburger Gefängnis, das den alten Standort im Gerichtsviertel ablöste, können bis zu 304 Straftäter untergebracht werden.

Anwohner in direkter Nachbarschaft stören sich kaum am Gefängnis vor der Haustür. "Wenn überhaupt hat es gefühlt zu mehr Sicherheit geführt, weil viel mehr Polizisten auch in zivil in der Gegend sind", meint etwa Gero Oltmanns, der seit mehr als 60 Jahren in der Nähe lebt.


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Kreyenbrück und die Flüchtlinge

Nach dem zweiten Weltkrieg änderte sich das Gesicht von Kreyenbrück: Lebten wenige Jahre zuvor nur knapp 1500 Menschen im gesamten Stadtteil, stieg die Zahl besonders durch die ankommenden Flüchtlinge aus Pommern, Schlesien und Ostpreußen auf mehr als 25.000.

Und die Neuankömmlinge sollten das Gesicht von Kreyenbrück auf Jahre hinaus prägen. Zunächst in der demilitarisierten Hindenburg-Kaserne untergebracht gründeten sie kleine Läden und Unternehmen, die teilweise heute noch existieren: Schlachter, Gemüseladen, Fischladen, Elektrotechniker und Schneider gab es damals, auch zur Freude der Ur-Kreyenbrücker, die nun viele Dinge des täglichen Bedarfs auch direkt vor der Haustür bekamen. Auch ein Kindergarten wird in den ehemaligen Militärgebäuden gegründet.
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Seit Mai 2016 bietet eine Containerunterkunft auf der jahrelang ungenutzten Kolckwiese etwa 70 Flüchtlingen ein vorübergehendes Zuhause. Vorerst ist vorgesehen, das Gelände für drei Jahre so zu nutzen.

Die Kolckwiese war früher Teil des umfangreichen Areals der Bundeswehr in Kreyenbrück. Die EWE hatte das Gelände mit übernommen, aber nicht bebaut.

50 weitere Schutzsuchende aus dem Iran, Irak und Syrien sind in dem auf dem Foto zu sehenden ehemaligen Park-Hotel an der Cloppenburger Straße untergebracht.
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Wohnen in Kreyenbrück

Flüchtlinge und Militär lassen Kreyenbrück in der Nachkriegszeit aus allen Nähten platzen. Wo zuvor Felder und Wiesen still ruhten wird nun gebaut. So entstehen große, zusammenhängende Siedlungen mit Einfamilienhäusern, die sich zwischen Cloppenburger Straße und Bahndamm drängen. Größere Grundstücke werden über Jahre und Jahrzehnte immer weiter zerteilt, um Platz für neue Gebäude zu schaffen. Später entstehen dann vermehrt Mehrfamilienhäuser. Am Dianaweg (Foto), am Übergang zu Bümmerstede, findet sich heute eine Mischung aus beiden Wohnformen.

Viele Straßen sind zu der Zeit weder gepflastert geschweige denn asphaltiert: Einfache Sandwege durchziehen das ehemalige Moor.


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Alte Hofstellen, Einfamilienhäuser mit Garten und kleine Geschäfte: Sie verschwinden zunehmend aus Kreyenbrück. Denn die Oldenburger Wohnungsnot macht auch vor dem Stadtsüden keinen Halt.

An vielen Stellen im Stadtteil wird gebaut. Wo einst Hofgebäude und Ställe  am Kielweg standen (Foto), entstehen nun sechs mehrgeschossige Gebäude, in denen 73 Wohnungen sowie zwei Wohngemeinschaften für Behinderte untergebracht werden. Auf alten Grundstücken, die teilweise jahrelang vernachlässigt wurden, wachsen Wohn- und Geschäftshäuser in die Höhe. Und am Bahndamm stehen Reihenhäuser auf den ehemaligen Brachflächen.


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Die Cloppenburger

"Winterweg nach Bremen" oder "Chaussee nach Kreyenbrück": Die meistbefahrene Straße Oldenburgs hatte schon viele und klangvolle Namen. Seit 1928 firmiert sie unter "Cloppenburger Straße". Der Name geht zurück auf Claus Kloppenburg, der für die Begradigung des ehemaligen Sandweges Land abgetreten hatte.

1958 steht hier Oldenburgs erste Ampel, ab 1968 regelt ein Computer den Verkehr -  auch das ist eine Premiere für Oldenburg.
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Ab 1936 verbindet ein Oberleitungsbus Kreyenbrück mit dem Rest von Oldenburg. Die Cloppenburger Straße entlang führen die Leitungen bis zum Wendepunkt am Courier von Bümmerstede, einem beliebten Freizeit- und Tanzlokal an der Wegegabelung nach Sandkrug oder Wardenburg, bekannt für seinen urigen Biergarten.

Damit rückt der Stadtsüden dichter an das Zentrum. Und trotzdem bleibt der Weg nach Kreyenbrück "eine Weltreise", wie Jürgen Beyer berichtet. Er wuchs in der Innenstadt auf, lebt aber seit Jahrzehnten in Kreyenbrück.
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Heute ist die Cloppenburger die Straße, an der Kreyenbrücker fast alles finden. Restaurant, Café, Supermarkt, Friseur und Tattoo-Studio reihen sich hier aneinander, auch kulinarische Spezialitäten aus vielen Ländern gibt es zu kaufen.

Vor allem aber steht man auf der Cloppenburger: Der Berufsverkehr verstopft die zweispurige Einfallstraße am Morgen und späten Nachmittag. Für viele Pendler aus den Landkreisen Oldenburg und Cloppenburg ist Oldenburgs meistbefahrene Straße der schnellste Weg in die Huntestadt.
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Raus aus der Stadt und ganz schnell wieder rein:  Wer sich als Fahrradfahrer nicht mit den Ampeln, Ausfahrten und holprigen Radwegen der Cloppenburger herumplagen möchte, der nimmt ab der Alten Wache die Schnellstraße für Fahrradfahrer in Richtung Innenstadt.

Auf dem Deich des Osternburger Kanals geht es auf einer wunderbar asphaltierten Strecke entlang eines Neubaugebietes, hinter dem Sportplatz von Tura 76 und unter dem Niedersachsendamm entlang bis zur Cäcilienbrücke. Der Blick auf Felder und Wiesen der Buschhagenniederung holt einen für ein paar Minuten raus aus der Stadt und (fast) rein in die Natur.
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Der Klingenbergplatz

Direkt an der Cloppenburger Straße liegt Kreyenbrücks zentraler Platz. Neben zahlreiche Geschäften findet sich hier auch der Kreyenbrücker Wochenmarkt, der mittwochs und freitags stattfindet.

Seinen Namen hat der Klingenbergplatz ebenso wie die gleichnamige Straße von Georg Klingenberg, einem deutschen Elektrotechniker und ehemaligen Vorstandsmitglied der AEG.
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1947 begann die "Allgemeine Electricitäts-Gesellschaft" (AEG), mit rund 45 Arbeiterinnen und Arbeitern am Standort in Kreyenbrück Kleinmotoren und Haushaltsgeräte zu produzieren.

Die Beschäftigtenzahlen stiegen in den Folgejahren rapide, in Spitzenzeiten waren hier mehr als 3000 Menschen in Lohn und Brot. Besonders die Kriegsflüchtlinge profitierten von den neuen Jobs - und konnten in der Umgebung eigene Häuser bauen, die noch heute das Gesicht des Stadtteils prägen.

Nach mehreren Übernahmen und Umbenennungen wurden die Tore des Betriebs 2013 endgültig geschlossen.
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Als Teil des Stadtentwicklungsprogramms 2025 soll der Bereich Klingenbergplatz/AEG-Gelände radikal umgestaltet werden.

Untergebracht werden soll in einem fünfgeschossigen Neubau mit einer Nutzfläche von 6600 Quadratmetern ein Schwesternwohnheim mit 20 Appartements, eine Tagespflegestation mit elf Plätzen, eine Wohngemeinschaft für Demenzpatienten mit zwölf Plätzen, 14 Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen für Senioren und 14 Mietwohnungen. Rund zehn Millionen Euro will die GSG hier investieren, Baubeginn soll möglichst im ersten Quartal 2017 sein.

Lage regte sich aber Widerstand: Besonders die Kreyenbrücker Kaufleute störten sich an der geplanten Reduzierung der Parkplätze. Inzwischen ist aber eine Einigung erzielt worden.
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Crimebrück und Kreyenbronx?

Viele Auswärtige, wie auch der Autor, hören erst einmal wenig Gutes über Kreyenbrück. Häufig fällt dabei eben auch der Name Kreyenbronx. Schwieriges soziales Umfeld und hohe Kriminalität - soweit das Klischee.

Zahlen lügen nicht. Eine Auswertung der von der Oldenburger Polizei veröffentlichten Pressemeldungen aus dem ersten Halbjahr 2016 zeigt folgendes Bild:

23.521 Menschen - fast 15 Prozent der Oldenburger - leben in Kreyenbrück. Aber nur zehn Prozent der Einbrüche finden hier statt. Fünf Prozent der Raubüberfälle. Zum Vergleich: In der Innenstadt sind es 28 Prozent. Keine Köperverletzungen, keine Belästigungen oder Drohungen wurden von der Polizei im ersten Halbjahr 2016 in Kreyenbrück gemeldet. MIt 15 Prozent der Diebstähle liegt der Stadtteil in dieser Kategorie im statistischen Rahmen.
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Ausflug nach Bümmerstede

Was ist Kreyenbrück, was ist Bümmerstede? Die Grenze verläuft in diesem Bereich nicht genau nachvollziehbar - selbst alteingesessene Bewohner der Stadtteile können nicht genau sagen, wo welcher Stadtteil anfäng und wo welcher aufhört.

Klar ist: Der ehemalige Hauptort Bümmerstede, dem Kreyenbrück lange nachgeordnet war, ist heute mit mit seinen 9100 Einwohnern bedeutend kleiner als Kreyenbrück. Gerade im auf dem Foto zu sehenden Bereich Alt-Bümmerstede ist der alte Charakter des Stadtsüdens noch gut erlebbar: Alte Bauernhöfe stehen im Übergang zwischen Wiesen- und Ackerflächen auf der einen und dem urbanen Oldenburg auf der anderen Seite.
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Quellen und Dank

Vollbild
Viele Menschen haben mit ihren Erzählungen, Berichten, Hinweisen und Tipps diese Multimediareportage möglich gemacht. Besonderer Dank geht an:
Maria Bollerslev vom Bürgerverein Kreyenbrück und Bümmerstede, Erich Wiede, Gero und Waltraut Oltmanns, Jürgen und Inge Beyer sowie Jochen Klein

Quellen:
Kreyenbrück und Bümmerstede: Oldenburger Ansichten - Bernd Franken, Helga Kramp
Kreyenbrück und Bümmerstede: Gestern und heute - Matthias Schachtschneider
Lebensstation Kreyenbrück: Aus der Geschichte der Oldenburger Hindenburg-Kaserne - Joachim Engelmann

Statistiken:
Deutschland123.de
Pressemitteilungen der PI Oldenburg-Stadt/Ammerland

Fotos:
NWZ-Archiv
Privatarchiv Erich Wiede
Björn Buske
Marc Geschonke
Pexels.com
Kilian+Frenz Landschaftsarchitekten

Luftbilder:
Möwenblick.de

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